98. Jahrestagung der DOG 2000

K 280

Selektive Lysetherapie bei Zentralarterienverschlüssen

C. Framme, D. Spiegel, H. G. Sachs, C. P. Lohmann, J. Roider

Hintergrund: Die konventionelle Behandlung des Zentralarterienverschlusses (ZAV) führt in der Regel zu unbefriedigenden Ergebnissen. Eine Therapiemöglichkeit ist die selektive intraarterielle Fibrinolyse der A. ophthalmica. Zur Nutzen/Risiko-Abwägung analysierten wir retrospektiv 62 Augen mit ZAV.

Material und Methode: Über einen Zeitraum von 5 Jahren wurden die Datenblätter erhoben und die Patientengruppe mit selektiver Fibrinolyse (n=17) derjenigen mit konventioneller Therapie (Drucksenkung, rheologische Maßnahmen; n=45) gegenübergestellt. Ausschlußkriterien für die Lysetherapie waren: Eintreffen später als acht Stunden nach dem Verschlußereignis, medizinische Kontraindikationen wie Blutungsneigungen, vorangegangene Operationen oder hohes Alter. Die selektive Lyse wurde mit Urokinase oder tPA durchgeführt.

Ergebnisse: Von 62 Augen wurde bei 24 Augen (39%) eine Katheterisierung durchgeführt, wobei diese in sieben Fällen aufgrund von Gefäßstenosen abgebrochen werden mußte. Die verbleibenden 17 Augen wurden erfolgreich lysiert. Bei 38 Augen (61%) wurde primär keine lokale Fibrinolyse indiziert. Davon waren 45% (17/38) zu spät in der Klinik, 18% (7/38) haben der Lyse nicht zugestimmt, 15% (6/38) wiesen Grunderkrankungen auf, die eine Lysetherapie nicht zuließen, 13% (5/38) waren zu alt. Bei 8% (3/17) wurde ein Lyse nicht in Erwägung gezogen, da bei zwei Patienten ein zilioretinales Gefäß mit noch gutem Visus vorlag und und bei einem anderen Patienten sich während der Untersuchung ein spontaner Visusanstieg ergab. In der Gruppe mit Fibrinolyse zeigten 29% (5/17) eine Visusverbesserung um mindestens zwei Zeilen, 53% (9/17) keine Veränderung und 18% (3/17) eine Verschlechterung um mindestens zwei Zeilen. In der konservativ behandelten Gruppe ergab sich eine Visusverbesserung in 31% (14/45), keine Veränderung in 67% (30/45) und eine Verschlechterung in 2% (1/45). Bei drei Patienten mit Fibrinolyse (18%; 3/17) mußte aufgrund einer akuten Halbseitensymptomatik, die in zwei Fällen innerhalb einer Woche reversibel war, die Therapie abgebrochen werden.

Schlußfolgerung: Insgesamt zeigte sich, daß ein Großteil der Patienten für eine eventuelle Lysetherapie bei ZAV zu spät in die Klinik kommt. Weiterhin ergab sich bei unserer Evaluation statistisch kein Unterschied der selektiven Fibrinolyse im Vergleich zur konventionellen Behandlung im Hinblick auf eine Verbesserung der zentralen Sehschärfe. Aufgrund des Apoplexrisikos sollte daher in jedem EinzelFall eine sorgfältige Abwägung der Lysetherapie erfolgen.

Universitäts-Augenklinik Regensburg, Franz-Josef-Strauß-Allee 11, D-93042 Regensburg



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