98. Jahrestagung der DOG 2000

K 279

Migräne mit ophthalmologischer Begleitsymptomatik bei APC-Resistenz

T. Büchner, U. Schnorbus, I. Husstedt, H. Gerding

Hintergrund: Eine APC-Resistenz infolge einer Faktor-V-Leiden-Mutation ist der häufigste genetische Thrombophiliefaktor in Europa (3-7% der Bevölkerung). Genträger haben ein erhöhtes Risiko venöser thromboembolischer Erkrankungen, die Rolle des Defektes bei arteriellen oder mikrovaskulären Gefäßverschlüssen ist noch nicht geklärt.

Kasuistik: Wir berichten über eine 27 Jahre alte Patientin mit einer 16 Jahre dauernden Migräneanamnese und seit 2 Wochen bestehenden Gesichtsfeldausfällen des linken Auges.

Der korrigierte Visus betrug beidseits 1,0. Vorderabschnitte, brechende Medien, Pupillomotorik, Fundus, Fluoreszenzangiographie und VEP waren unauffällig. Nachdem zunächst eine Migräne-Therapie mit Flunaricin eingeleitet worden war, traten innerhalb von 4 Wochen auf beiden Augen weitere Gesichtsfelddefekte auf. Die neurologische Untersuchung einschließlich Schädel-MRT, Liquorpunktion und Dopplersonographie der Halsgefäße zeigte keine Auffälligkeiten. Im ERG (ISCEV-Standard) war in den Zapfen- und Stäbchen-Ableitungen eine leichte Seitendifferenz festzustellen, deutliche Unterschiede zeigten sich bei den oszillatorischen Potentialen (vor 8 Jahren Seitensymmetrie).

Die rheologische Abklärung ergab eine heterozygote Faktor-V-Leiden-Mutation (G1691A). Unter einer Antikoagulation mit Cumarinen und einem Ziel-INR von 2,0-3,0 traten keine weiteren Komplikationen auf.

Schlußfolgerung: Der beschriebene Krankheitsverlauf gibt Hinweise für eine mögliche Rolle der APC-Resistenz in der Pathogenese beider Symptomkomplexe: Sowohl die Migräne als auch die migräneuntypischen dauerhaften Gesichtsfeldausfälle beidseits können Folgen der erhöhten Gerinnungsbereitschaft sein.

Augenklinik der Westfälischen Wilhelms-Universität, Domagkstraße 15, D-48149 Münster



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