98. Jahrestagung der DOG 2000

K 267

Einzeitige Silikonentfernung über die Pars-plana- und Katarakt-Operation mittels Phakoemulsifikation und Implantation einer Hinterkammerlinse

O. Vij¹, A. O. Schüler¹, A. Heiligenhaus², N. Bornfeld¹

Einleitung: Die Entwicklung einer signifikanten Katarakt stellt eine typische Komplikation nach Silikontamponade bei vitreoretinalen Eingriffen dar. Eine kombinierte Silikonentfernung und Katarakt-Operation mittels Phakoemulsifikation wird daher zunehmend häufiger durchgeführt. Ziel der retrospektiven Studie war die Untersuchung von typischen intra- und postoperativen Komplikationen bei kombiniertem Procedere.

Methoden und Patienten: Der intra- und postoperative Verlauf wurde retrospektiv bei 47 kombinierten Operationen untersucht. Die Silikonöltamponade erfolgte u. a. bei rhegmatogener Ablatio retinae (n = 35), proliferativer diabetischer Retinopathie (n = 5), Ablatio bei Aderhautmelanom (n = 3), Endophthalmitis (n = 1) und nach perforierender Verletzung (n = 1). Die Indikation zur kombinierten Operation wurde bei visusreduzierender Katarakt und ophthalmoskopisch traktionsfrei anliegender Netzhaut gestellt. Das mittlere Alter der Patienten betrug 61 ± 13 Jahre. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 168 Tage.

Ergebnisse: Eine Visusverbesserung trat bei 25 Augen ein, der Visus war unverändert bei 10 Augen, eine Visusverschlechterung entwickelte sich bei 12 Augen. Bei 44 Augen konnte eine intraokulare Linse implantiert werden. Typische intraoperative Probleme waren u. a. ausgeprägte Bindehaut- und Skleranarben (n = 7), Zonulafaserdefekte (n = 6), Hinterkapseldefekte (n = 5); Silikonöl in der Vorderkammer (n = 5) und Miosis (n = 5). Postoperative Komplikationen bestanden in einer Kapselfibrose (n = 21), Fibrinreaktionen (n = 13), Hornhautdekom-pensationen (n = 13), hinteren Synechien (n= 9), Tensioerhöhungen (n = 6) und Reablatio retinae (n =11). Eine spätere Revisionsoperation mußte bei 11 Augen vorgenommen werden. Bei 4 Augen wurde intraoperativ die Enscheidung zur sofortigen Pars-plana-Vitrektomie-Revision getroffen.

Schlußfolgerung: Bei einer Silikonölentfernung über die Pars plana und gleichzeitigen Kataraktoperation mittels Phakoemulsifikation muß mit typischen intra- und postoperativen Komplikationen gerechnet werden, insbesonders mit einer unmittelbaren und operationsbedürftigen Reablatio. Dennoch kann der einzeitige Eingriff unter Beachtung von operativen Modifikationen sicher und mit zufriedenstellendem Ergebnis durchgeführt werden. Der Visusverlauf wird jedoch wesentlich von der zugrundeliegenden Netzhauterkrankung bestimmt.

¹Zentrum für Augenheilkunde, Universität-GH Essen, Hufelandstr. 55, D-45122 Essen

²Augenabteilung, St. Franziskushospital, Hohenzollernring 75, 48145 Münster


Zurück