98. Jahrestagung der DOG 2000

V 198

Das multifokale Silent-Substitution-ERG zur selektiven Untersuchung einzelner Zapfentypen

H. Jaegle, L. T. Sharpe

Einleitung: Die Technik mittels dreier Primärfarben oder -spektren einen Stimulus zu erzeugen, welcher nur von einem der drei Zapfentypen L- (Rot), M-(Grün) oder S-(Blau)Zapfen wahrgenommen wird, ist schon länger bekannt. Hierbei werden zwei Farben derart ersetzt, daß für zwei Zapfentypen keine Stimulationsänderung erfolgt ("silent substitution") während der dritte Zapfentyp stimuliert wird. Die Verwendung dieser Methode in Kombination mit der multifokalen Elektroretinographie erlaubt die selektive topographische Untersuchung einzelner Zapfentypen.

Methoden: Zur Isolation der Antworten der einzelnen Zapfentypen wurde das VERIS System (Ver. 3.0.1) in Kombination mit der silent substitution Technik verwendet. Die spektroradiometrische Kalibration erfolgte mit dem Kompakt-Array Spektrometer CAS 140 (Instrument Systems), die photometrische Kalibration mit dem Color Analyzer CA-100 (Minolta). Zur Berechnung der Stimuli wurden die Stockman & Sharpe (1999) Zapfen-Grundspektralwertfunktionen verwendet. Das korneale ERG wurde mittels einer DTL-Elektrode abgeleitet. Der maximale Michelson-Kontrast lag für die L- und M-Zapfen bei 47% für die S-Zapfen bei 92%. Der Stimulus (103 Hexagone) wurde auf einem Sony Trinitron F500 in einem Abstand von 16 cm mit einer Feldgröße von 90° x 90° dargeboten.

Ergebnisse: Die Latenz der M- und L-Zapfensignale beträgt zentral ca. 30 ms, wobei die M-Zapfensignale ca. 3 ms früher auftreten. Die Latenz der S-Zapfensignale beträgt zentral ca. 36 ms mit einer späten Komponente mit ca. 65 ms. Zwischen den beiden Komponenten besteht beim Normalen ein weitgehend linearer Zusammenhang. Die Amplituden und Latenzen der Signale hängen linear von der Intensität und dem Zapfenkontrast des Stimulus ab. Alle Latenzen nehmen zur Peripherie hin ab.

Diskussion: Durch Erweiterung der multifokalen Elektroretinographie um die Silent-Substitution-Technik kann die Topographie der L-, M- und S-Zapfen selektiv untersucht werden. Bei Normalen erhält man hierbei für die drei Zapfentypen jeweils eine ähnliche Topographie, wobei die Amplituden der L- und M-Zapfenantworten vom individuellen Verhältnis der beiden Zapfentypen abhängen.

Universitäts-Augenklinik, Abteilung für Pathophysiologie des Sehens und Neuroophthalmologie, Schleichstr. 12-16, D-72076 Tübingen



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