98. Jahrestagung der DOG 2000

V 197

Einsatz des multifokalen ERGs bei hereditären Erkrankungen der Netzhautperipherie

M. W. Seeliger

Die multifokale Elektroretinographie (MF-ERG), eine Methode zur Bestimmung der topographischen Verteilung retinaler Funktionsstörungen, hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Wichtig ist die Möglichkeit, getrennte Topographien für Amplitude und Latenz zu erhalten.

Diagnostisch ist der Einsatz bei Erkrankungen der peripheren Netzhaut v.a. zur Unterscheidung zwischen der Retinitis Pigmentosa (RP)-Gruppe und oft entzündlich bedingten, einzeitig ablaufenden Erkrankungen mit Ähnlichkeiten im Fundusbild (sog. Phänokopien) hilfreich. Beispielhaft werden hier Fälle von PPRCA (pigmented paravenous retino-choroidal atrophy) und nach Epstein-Barr-Virusinfektion vorgestellt. Viele systemisch bedingte Erkrankungen (Stoffwechsel- oder medikamenteninduziert) betreffen zunächst ringförmig die mittlere Peripherie.

Neuere Ergebnisse deuten darauf hin, dass auch eine diagnostische Trennung zwischen Usher-Syndrom Typ I und II in entsprechend frühen Stadien mit dieser Methode möglich ist. Dies beruht darauf, dass beim Typ I kaum Latenzverlängerungen auftreten, während diese beim Typ II wie bei der RP sehr deutlich sind.

Daneben ist auch eine verfeinerte Verlaufskontrolle der typischen Veränderungen bei Retinitis Pigmentosa (periphere Amplitudenreduktion, Latenzverlängerung) möglich und sinnvoll, um prognostische Aussagen auf eine bessere Basis zu stellen.

Forschungsgruppe Retinale Elektrodiagnostik, Augenklinik Abt. II, Universitätsklinikum Tübingen, Schleichstraße 12-16, 72076 Tübingen



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