98. Jahrestagung der DOG 2000

V 193

Komponenten der MF-ERG-Signale und wichtige Auswerteverfahren

M. W. Seeliger

Die Kurvenform der Antworten des multifokalen ERGs (MF-ERG) variiert beim Menschen und Affen in Abhängigkeit von der Position auf der Netzhaut. Bei letzterem sind diese Unterschiede, vor allem zwischen der nasalen und temporalen Hälfte, besonders deutlich. Dieses Verhalten kann durch einen Satz von oszillierenden Komponenten, die sich in Abhängigkeit von der Position auf der Netzhaut verschieben, modelliert werden. Die typische „Bananenform" der Gipfelzeiten der Ringmittelwerte (langsame zentrale Antwort, schnellere parazentrale Antworten, langsamere periphere Antworten) wurde mit diesem Modell ebenFalls gefunden.

Der empfohlene „Minimal-Standard" der Datenauswertung besteht aus drei Abbildungen, eine des Trace arrays, eine der Ring-Mittelwerte (Falls zulässig) und eine des Skalarproduktes (3D-Plot). Das Trace array zeigt die lokalen ERG-Kurven an ihrer topographischen Position. Amplitudendifferenzen sind damit leicht festzustellen, Latenzzeiten dagegen sind schwer bestimmbar. Ringmittelwerte opfern einen großen Teil der räumlichen Auflösung zugunsten einer v.a. peripher besseren Signalqualität, aber erlauben eine gute Bestimmung der Latenzzeiten. Insbesondere bei merklichen Unterschieden der Kurvenform zwischen nasalen und temporalen Regionen ist die Verwendung von Ring- oder sogar Gesamtmittelwerten als suboptimal zu betrachten. Die 3D-Darstellung zeigt das Skalarprodukt zwischen der jeweiligen Meßkurve und einer Referenzkurve. Neben der dadurch verursachten Subjektivität enthält diese Darstellung die wenigste Information.

Augenklinik Abt. II, Universitätsklinikum Tübingen, Schleichstraße 12-16, 72076 Tübingen



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