98. Jahrestagung der DOG 2000

V 168

Hochaufgelöste funktionelle Netzhauttopographie durch
Einzelelementanalyse im multifokalen ERG

M. W. Seeliger

Einleitung: Die multifokale Elektroretinographie (MF-ERG), eine diagnostische Methode zur Bestimmung der topographischen Verteilung retinaler Funktionsstörungen, hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die bei den bisher gebräuchlichen Analyseverfahren stattfindende Datenreduktion setzt aber die erzielte räumliche Auflösung zugunsten einer einfacheren Auswertbarkeit herab oder führt zu einer Verschmelzung von Amplituden- und Latenzinformationen. Ziel war es daher, ein Auswerteverfahren ohne räumlichen Auflösungsverlust zu entwickeln.

Methoden: Daten der beiden verfügbaren Systeme (RetiScan, Roland Consult und VERIS, EDI/Haag-Streit) wurden exportiert und auf einem PC ausgewertet. Zur automatisierten Bestimmung des transienten ERG-Signals (Kernel 1. Ordnung) wurde eine Musterkurve (Template) punktweise verschoben und mit der jeweils untersuchten Kurve multipliziert. Man erhält dabei das Skalarprodukt als Funktion der Verschiebung. Das Maximum dieser Funktion ist dann ein Maß für die Amplitude des lokalen Signals, während die zum Erreichen des Maximums nötige Verschiebung die Latenzinformation beinhaltet. Der Abstand zwischen dem Maximum und dem zweithöchsten Gipfel kann darüber hinaus zur Bewertung der lokalen Signalqualität (und damit der Diagnosesicherheit) herangezogen werden.

Ergebnisse: Bei beispielhaften Krankheitsbildern wie dem Morbus Stargardt (Zentrale Amplitudenminderung, kaum Latenzverlängerung) und der Retinitis Pigmentosa-Gruppe (periphere Amplitudenreduktion, Latenzverlängerung) war das Verfahren gut einsetzbar und weit weniger störungsanfällig als die rein manuelle Auswertung mittels Cursorpositionierung1.

Diskussion: Das vorgestellte Verfahren stellt eine sinnvolle Erweiterung der bisherigen Techniken dar. Wichtig ist die Möglichkeit, getrennte Topographien für Amplitude und Latenz zu erhalten. Selbst bei deutlich reduzierter Signalqualität waren noch zufriedenstellende Resultate erzielbar.

Forschungsgruppe Retinale Elektrodiagnostik, Augenklinik Abt. II, Universitätsklinikum Tübingen, Schleichstraße 12-16, 72076 Tübingen

Seeliger MW, Kretschmann UH, Apfelstedt-Sylla E, Zrenner E. Implicit Time Topography of Multifocal Electroretinograms. Invest Ophthalmol Vis Sci 1998; 39: 718-723



Zurück