98. Jahrestagung der DOG 2000

K 155

Die Wirkung von Alkohol auf das menschliche RPE verglichen mit der von Licht

F. Singbartl, C. Hörmann, G. B. Arden, T. A. Berninger

Einleitung: Erforschung der Wirkung von oral verabreichtem Alkohol auf das retinale Pigmentepithel (RPE) und Vergleich der Potentialunterschiede im RPE, hervorgerufen durch Licht. Für die Messung des Bestands-potentials des RPEs wurde das EOG verwendet. Es erfaßt die Spannungs-veränderungen in den tiefen Schichten des retinalen Pigmentepithels.

Methode: I. 30 randomisierte ophthalmologisch unauffällige Testpersonen im Alter von 18 bis 65 Jahren (Unterteilung in zwei Altersgruppen: I. 18-30 Jahre, Durchschnitt 23.4 Jahre, Median 23 II. 31-65 Jahre, Durchschnitt 46.3 Jahre, Median 42) wurden untersucht. Das EOG wurde am Tönnies Multiliner Vision abgeleitet. Die Ableitung erfolgte nach ISCEV- Standard. Im Unterschied zum Standard-EOG erfolgte Voradaptation und Ableitung bei Gabe von 80 ml Alkohol (Konz. 20%) unter mesopischen Bedingungen.

Ergebnisse: Nach oraler Alkoholgabe erfolgte ein Potentialanstieg mit Maximum von ca. 150% nach 12 Minuten. Obwohl der Anstieg im EOG, verglichen mit dem Anstieg nach Lichtstimulation, ein fast identisches Bild zeigt, so ist er doch um ca. 3 min. verzögert. Dies hängt wohl mit der Absorption des Alkohols ab. Nach 9 min. erreicht der Anstieg seinen Gipfel (ca. 150%) und nimmt dann stetig ab, um nach 20 min. einen Tiefpunkt (ca. 65%) zu erreichen. Mißt man nun über einen längeren Zeitraum, so stellt man fest, dass sich das Bestandspotential nach 3-4 Oszillationen wie-der auf seinen Ausgangswert einpendelt. Dies ist wiederum sehr ähnlich mit der Antwort des RPEs auf Lichtstimulation.

Diskussion: Die Änderung im Potential des retinalen Pigmentepithels nach Stimulation mit Alkohol ist der Antwort auf Lichtstimulation so ähnlich, dass man davon ausgehen kann, dass beide wohl einen gleichen Einfluß auf das RPE haben. Jedoch müssen Alkohol und Licht über unterschiedliche Systeme letztendlich auf die gleichen endständigen Rezeptoren der RPE-Zelle wirken. Bei einigen Patienten mit retinalen Erkankungen zeigte sich auf Licht ein erloschenes EOG, während bei Alkohol sich ein normaler Potentialanstieg ergab. Bei Patienten mit RP waren beide Antworten erloschen.

Wir danken Chibret für die Unterstützung der Studie.

Augenklinik der Ludwig-Maximilian-Universität München, Mathildenstr. 8, D-80336 München



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