98. Jahrestagung der DOG 2000

K 150

Einsatz des Doppelblitz-ERGs zur Untersuchung der Stäbchenfunktion

C. Friedburg, M. M. Thomas, T. D. Lamb

Einleitung: Die a-Welle des Elektroretinogramms (ERG) spiegelt die initiale Antwort der Photorezeptoren wieder [1]. Später überlagern elektrische Signale nachgeschalteter Zellen die Antwort und rufen die b-Welle hervor. Um die zwei Signale trennen zu können, wurde vor kurzem die Doppelblitz-Methode vorgestellt [2]. Wir berichten von Möglichkeiten und Einschränkungen dieser Methode bei der Untersuchung der Funktion der Stäbchen.

Methoden: Photorezeptoren weisen einen zirkulierenden Membranstrom auf, der als Antwort auf Licht abnimmt und die a-Welle im ERG hervorruft. Bei der Doppelblitz-Methode wird die Änderung des Stroms während der Antwort auf einen ersten Blitz (Test) zu einzelnen Zeitpunkten anhand des verbliebenen Stroms ermittelt. Letzterer kann aus der a-Welle, die ein zweiter, sehr heller Blitz (Probe) hervorruft, bestimmt werden, da der Probe-Blitz schnell zum völligen Versiegen des zirkulierenden Stroms führt. Von 3 gesunden Propanden wurden in Mydriasis Ganzfeld ERGs mit DTL-Elektroden abgeleitet, die, locker im unteren Fornix positioniert, keine Komplikationen verursachten und über Stunden stabile Messungen ermöglichten.

Ergebnisse: Der Hauptnachteil der Doppelblitz-Methode ist die lange Zeit, die die Stäbchen benötigen, um nach dem Probe-Blitz zu re-adaptieren, hier 20-30 s bei einer Blitzintensität von 8650 scot Td s. Eine representative Messung der Stäbchenantwort mit gemittelten Antworten auf je 8 Darbietungen des Probe-Blitzes, der entweder allein oder zu 7 verschiedenen Zeiten nach dem Test-Blitz dargeboten wurde, dauert daher ca. 30 min. Die zu subtrahierende Antwort der Zapfen wurde mit 3 unterschiedlichen Methoden gemessen; die beste Schätzung ergab die 4-Blitz-Methode, die die unterschiedliche Adaptationsgeschwindigkeit der Zapfen und Stäbchen ausnutzt. Die Datenanalyse wurde verbessert, indem die Antworten auf den Probe-Blitz in einem Zeitintervall, statt wie bisher
üblich nur zu einem Zeitpunkt, untersucht wurden. Mit dieser Methode ermittelte Stäbchen-antworten erreichten ihr Maximum in 100 ms. Mit einem Ganzfeld-Hintergrund unterschiedlicher Intensität ergaben sich klassische Anzeichen der Helladaptation der Stäbchenantwort, nämlich Desensibilisierung und beschleunigte Erholung.

Diskussion: Doppelblitz-ERGs erlauben in vivo Untersuchungen der Funktion der Stäbchen, die mit Einzelblitz-ERGs nicht möglich sind.

[1] Breton et al. (1994) IOVS 35: 295; [2] Birch et al. (1995) IOVS 36: 1603

Department of Physiology, University of Cambridge, Downing Street Cambridge CB2 3EG, UK



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