98. Jahrestagung der DOG 2000

P 15

Totale Sonnenfinsternis 1999: Ergebnis einer Aufklärungskampagne

L. Speicher, W. Göttinger

Einleitung: Das Ergebnis einer intensiven Aufklärungskampagne über die Notwendigkeit der Verwendung zertifizierter Augenschutzfilter zur Beobachtung der Sonnenfinsternis 1999 wurde untersucht betreffend die Häufigkeit des Auftretens einer Solar-Retinopathie in einer Population von 600.000 Einwohnern in Tirol / Österreich.

Methoden: Die Univ.-Augenklinik Innsbruck startete als Erste bereits fünf Monate vor der totalen Sonnenfinsternis 1999 in allen Massenmedien eine intensive präventive Aufklärungskampagne über die Notwendigkeit der Verwendung spezieller Augenschutzfilter bei der Beobachtung der Sonnenfinsternis. Sonnen-Sicht-Brillen und Filterfolien wurden frühzeitig in unserer Klinik angeboten. Alle Patienten, die nach Beobachtung der Sonnenfinsternis mit Sehverschlechterung oder anderen subjektiven Beschwerden die Ambulanz der Univ.-Augenklinik Innsbruck aufsuchten, unterzogen sich einer ausführlichen ophthalmologischen Untersuchung, einschließlich einer Fundusfotographie bei Verdacht auf Netzhautschäden.

Ergebnisse: Eine Solar-Retinopathie wurde nur in vier Fällen von insgesamt 65 Patienten diagnostiziert, die sich mit okulären Symptomen eine Stunde bis sieben Tage nach der Eklipse in unserer Klinik einfanden. In 2 Fällen konnten am Augenhintergrund charakteristische grau-weiße Herde parafoveolär beobachtet werden, in einem weiteren Fall kam es zur Ausbildung eines Pseudoforamens in der Macula mit drastischer Sehverschlechterung. Die häufigste Ursache der subjektiven Beschwerden lag jedoch in einer milden Keratokonjunktivitis, die möglicherweise durch den Temperaturanstieg hinter dem Augenschutzfilter verursacht wurde.

Diskussion: Im Vergleich zu früheren Sonnenfinsternissen kam es bei der Eklipse 1999 zu einer signifikanten Reduktion von Netzhautschäden, die in Tirol mit einer Inzidenz von 0.001 Promille auftraten. Die Aufklärungskampagne über den erforderlichen Augenschutz bei der Beobachtung der Sonnenfinsternis erwies sich in Kombination mit dem gleichzeitigen Angebot certifizierter Sonnen-Sicht-Brillen und Filterfolien aus doppelt Aluminium-beschichteten Polyesterfolien als besonders günstig.

Universitäts-Klinik für Augenheilkunde und Optometrie Innsbruck, Anichstraße 35, A-6020 Innsbruck



Zurück