98. Jahrestagung der DOG 2000

P 143

Die klinische Relevanz des zapfenisolierenden multifokalen ERG

H. Jaegle, J. Albrecht, A. Grodon, L. T. Sharpe

Einleitung: Es wurde ein Verfahren zur Ableitung eines zapfenisolierenden multifokalen ERG bei Normalen und Patienten mit Zapfenfunktions-störungen entwickelt und etabliert.

Methoden: Zur Isolation der Antworten der einzelnen Zapfenarten wurde das VERIS System (Ver. 3.0.1) in Kombination mit der "silent substitution techniques" (basierend auf den Stockman & Sharpe (1999) Zapfen-Grundspektralwertfunktionen) verwendet. Das korneale ERG wurde mittels einer DTL-Elektrode abgeleitet. Der Michelson-Kontrast lag für die L- und M-Zapfen bei 47% für die S-Zapfen bei 92%. Der Stimulus (103 Hexagone) wurde auf einem Sony Triniton F500 in einem Abstand von 16 cm mit einer Feldgröße von 90° x 90° dargeboten. Untersucht wurden Normale und Patienten mit einer dominanten oder nicht dominanten Form der RP, einem Visus besser als 0.6 und stabiler Fixation.

Ergebnisse: Die Latenz der M- und L-Zapfensignale beträgt zentral ca. 30 ms wobei die M-Zapfensignale ca. 3 ms früher auftreten. Die Latenz der S-Zapfensignale beträgt zentral ca. 36 ms mit einer späten Komponente mit ca. 65 ms. Alle Latenzen nehmen zur Peripherie hin ab. In beiden Formen der RP waren die S- Zapfensignale stärker betroffen als die L- oder M-Zapfensignale. Bei wenig fortgeschrittenen Fällen konnte in den zu Gesichtsfelddefekten korrespondierenden Arealen keine S-Zapfenant-worten gemessen werden, während in normalen Arealen eine Vermin-derung der Amplitude von ca. 30 - 40% und eine deutliche Latenzver-längerung (von 65 ms auf ca. 80 ms) beobachtet wurde. Die M-Zapfenantworten in betroffenen Arealen war stärker Verändert als die L-Zapfenantwort. Beide zeigten reduzierte Amplituden und eine Latenzverlängerung. In weiter fortgeschrittenen Fällen waren über die ganze Netzhaut die Amplituden aller Zapfensignale stark reduziert (um ca. 90%) und die Latenzen waren stark verlängert.

Diskussion: Mit der multifokalen Elektroretinographie kann die Topography der L- , M- und S-Zapfen sowohl bei Normalen wie Patienten mit RP gemessen und lokale Defekte der drei Zapfenarten bestimmt werden. Typischerweise sind die S-Zapfensignale in frühen Stadien der RP stärker verändert als die M- and L-Zapfensignale.

Universitäts-Augenklinik, Abteilung für Pathophysiologie des Sehens und Neuroophthalmologie, Schleichstr. 12-16, D-72076 Tübingen



Zurück