98. Jahrestagung der DOG 2000

P 13

Intravitreale Applikation von Gentamycin induziert drusenartige RPE-Veränderungen in Wistar-Ratten

T. T. Luther, J. F. Jordan, G. Thumann, S. Grisanti, P. Esser, U. Schraermeyer

Einleitung:Die Pathogenese der Drusenformation im Rahmen der altersbedingten Makuladegeneration ist bislang nur unvollständig verstanden. Es gibt Hinweise darauf, dass Drusen neben diversen amorphen Bestandteilen auch sequestrierte Zytoplasmareste enthalten. Die Herkunft dieser Zellbestandteile wird jedoch kontrovers diskutiert. EbenFalls existieren wenige Tiermodelle, die Drusen im Phänotyp erkennen lassen. Das Ziel dieser Arbeit war es, in einem kleinen, unkompliziert zu untersuchenden Labortier den Einfluss einer intravitrealen Aminoglykosidapplikation auf die Morphologie der Retina und angrenzender Strukturen zu studieren.

Methoden: Zwölf Monate alte Wistar-Ratten wurden mit einer einmaligen Dosis von 5 µl Refobacin 80 (400 µg) intravitreal über die Pars plana behandelt. Nach 90 Tagen wurden die Ratten durch CO2-Narkose getötet, die Augen wurden enukleiert. Schnitte wurden zur licht- und elektronenmikroskopischen Untersuchung angefertigt.

Ergebnisse:Bei lichtmikroskopischer Betrachtung imponierten Bereiche von RPE Zellen mit gebrochenen Zellmembranen, ballonierten Zellkernen und entfärbten Zytoplasma. Diese Regionen wurden von angrenzenden RPE Zellen normaler Morphologie überwachsen, so dass sich eine Duplikatur des RPE ergab. Darüber hinaus war die Verbindung des RPE mit den Photorezeptoraußensegmenten in diesen Bereichen weniger eng. Generell zeigte sich eine starke Blutfüllung der Choriokapillaris. Für eine Entzündungsreaktion mit Einwanderung von Zellen der Immunabwehr gab es keinen Anhalt. Im elektronenmikroskopischen Bild wurde in den Bereichen der RPE-Duplikatur die basale Akkumulation von Zellorganellen mit Zellkernen und Mitochondrien erkennbar, Phagosomen oder Lipidgranula in der äußeren RPE Zellschicht wurden jedoch nicht nachgewiesen.

Diskussion:In der vorliegenden Arbeit wurden durch die intravitreale Gabe von Gentamycin im retinalen Pigmentepithel von Ratten Veränderungen ausgelöst, die morphologisch mit Kennzeichen von Drusenformation verwandt sind. Damit ist es gelungen, in Ratten ein Modell zu etablieren, das weitergehende Untersuchungen an drusenartigen Formationen des RPE erlaubt. Die Formation einer RPE-Duplikatur im Tiermodell wird erstmals beschrieben. Die Ergebnisse können möglicherweise weitere Hinweise zu den Frühstadien in der Drusenentstehung im Rahmen der altersbedingten Makuladegeneration des Menschen liefern.

Universitäts-Augenklinik Köln, Joseph-Stelzmann-Str. 9, D-50931 Köln



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