98. Jahrestagung der DOG 2000

K 111

Hochaktive antivirale und immunsuppressive Kombinationstherapie nach Keratoplastik bei herpetischer Grunderkrankung – eine Pilotstudie

A. Reis, T. Reinhard, R. Sundmacher

Einleitung: Die rezidivierende HSV Infektion ist der Hauptgrund für virusbedingte Erblindung. Eine Visusrehabilitation ist bei vernarbter Hornhaut nur durch eine perforierende Keratoplastik möglich. Eine solche operative Intervention schützt zum einen nicht vor weiteren Rezidiven, zum anderen besteht aufgrund der pathologisch veränderten Wirtshornhaut ein hohes Risiko für immunologische Abstoßungsreaktionen (AR). Wegen der Gefahr des Herpesrezidivs ist eine systemische Immunsuppression mit Cyclosporin A bei diesen Patienten kontraindiziert.

Die potente immunsuppressive Wirkung von Mycophenolatmofetil (MMF) konnte bereits in mehreren klinischen Studien nachgewiesen werden. MMF hemmt über eine Reduktion des intrazellulären Guanosid-Pools die Proliferation von Lymphozyten. Da aber diese Guanosin-Nukleoside auch als "competing substrates" zu den Acyclovir-Antimetaboliten an der viruseigenen DNA-Polymerase wirken, kann von einer synergistischen antiherpetischen Wirkung von MMF und Acyclovir ausgegangen werden. Tatsächlich konnte dieser Effekt bereits tierexperimentell nachgewiesen werden.

Ziel dieser Studie war es, die Sicherheit und Effizienz einer einjährigen Kombinationstherapie mit MMF und Zovirax zur Verhinderung der AR und der Herpesrezidive nach Keratoplastik bei herpetischer Grunderkrankung zu untersuchen.

Methoden: Patienten mit rezidivierender Herpes-Keratitis wurden nach Keratoplastik für die Dauer von einem Jahr mit MMF 2x1 g/Tag und Acyclovir 5x200 mg/Tag behandelt. Primäre Endpunkte waren die Zahl von Herpesrezidiven und akuten AR pro Patient und Zeit. Als Sicherheitsparameter diente die Anzahl von "adverse events".

Ergebnisse: Vierzehn Patienten wurden rekrutiert. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 8.2 (±1.3) Monate. Bei keinem Patienten zeigte sich eine Transplantateintrübung. Mit einer akuten AR während der immunsuppressiven Therapie und einem Herpesrezidiv nach Absetzen der einjährigen Prophylaxe lag die Inzidenz der primären Zielereignisse (14.3%) statistisch signifikant niedriger als in der historischen Kontrollgruppe (Acyclovir 5x200 mg für 3 Wochen perioperativ, 32.0%). Es wurden keine unerwünschten Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten gefunden.

Schlussfolgerungen: Eine postoperative antiherpetische und immunsuppressive Kombinationstherapie mit Acyclovir und MMF zeigte sich in dieser Pilotstudie als effiziente und sichere Transplantatprotektion nach Keratoplastik bei herpetischer Grunderkrankung.

Augenklinik, Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf



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