98. Jahrestagung der DOG 2000

V 103

Die hereditäre progressive Photorezeptoren-Degeneration beim Rattenstamm RCS hat transneuronale Einflüsse auf die visuell deafferenzierten Ganglienzellen der Retina

M. Pavlidis, D. Fischer, S. Thanos

Ziele der Arbeit: Die Degeneration von Photorezeptoren in der Retina der RCS Ratte entzieht den retinalen Ganglienzellen (RGZ) den sensorischen Einstrom. In dieser Arbeit wurden zelluläre Eigenschaften wie der axonale und der dendritische Transport, die Vulnerabilität nach Axotomie und die axonale Regenerationsfähigkeit in vivo und in vitro in Abhängigkeit von der Krankheitsprogression der hereditären Dystrophie untersucht.

Methoden: Es wurden Retinae am P30 (wenn die meisten Photorezeptoren intakt sind), am P90 (wenn die Photorezeptoren fast komplett degeneriert sind) und am P180 (drei Monate nach dem Photorezeptorenschwund) untersucht. Die morphometrische Beobachtung der RGZ wurde nach dem retrograden axonalen Transport des Fluoreszfarbstoffs 4Di-10ASP durchgeführt. Der dendritische Transport wurde auch mit 4Di-10ASP untersucht, das vom retrograd markierten Zellkörper in Richtung der Dendriten transportiert wurde. Die Vulnerabilität der RGZ wurde nach Vorfärbung mit 4Di-10ASP vom SC und intraorbitaler Verletzung des Sehnervs dokumentiert. Die Regenerationsfähigkeit der RGZ-Axone wurde anhand des Transplantations- models beobachtet, bei dem der durchgetrennte N. opticus mit einem N.Ischiadikus-Autotransplantat ersetzt wurde. Das axonale Wachstum in vitro wurde in kultivierte retinale Streifen untersucht.

Ergebnisse: Die Photorezeptoren-Dystrophie hat keinen Einfluß auf den retrograden axonalen Transport, schwächt aber den anterograden dendritischen Transport ab. Die RGZ-Axone der dystrophischen RCS Retina regenerieren in das Autotransplantat in gleicher Weise wie die der Kontroll-Retina am P30, zeigten aber einen signifikanten Unterschied am P90 und P180. Die altersabhängige Abnahme der Regenerationsfähigkeit sowie die erhöhte Vulnereabilität der deafferenzierten RGZ representieren deutliche intraretinale Interaktionen als Folge der Abnahme von Photorezeptoren und der Deafferenzierung.

Schlußfolgerung: Die Erkenntnisse dieser Studie deuten darauf hin, daß die Abnahme der sensorischen Informationen keinen unmittelbaren Tod von Ganglienzellen verursachen, aber einen deutlichen Einfluß auf grundlegende physiologische Eigenschaften dieser Zellen hat.

Universitäts-Augenklinik, Experimentelle Ophthalmologie, Domagkstr. 15,
D-48149 Münster



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