98. Jahrestagung der DOG 2000

K 102

Zusammenhang von ICG-angiographisch nachgewiesenen "Networks" uvealer Melanome und Tumorrückbildungsgeschwindigkeit nach Brachytherapie

U. C. Schaller1, A. J. Mueller1, D.-U. Bartsch2, W. R. Freeman2, A. Kampik1

Einleitung: Die Tumorrückbildungsgeschwindigkeit nach Brachytherapie von uvealen Melanomen ist ein prognostisch signifikanter Faktor für die Entwicklung von Metastasen (Augsburger: Ophthalmology; 1987:1173-1177). Weitere prognostisch ungünstige Faktoren für eine Metastasierung stellt der histologische Nachweis von "Networks" (Gefäßnetze) dar (Folberg: Ophthalmology (1993) 100:1389-1398). Wir konnten zeigen, daß die histologisch nachweisbaren "Networks" auch ICG-angiographisch darstellbar sind (Mueller: Graefe´s Arch Clin Exp Ophthalmol, 1999;237:448-456). Ziel ist die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen ICG-angiographisch nachweisbaren "Networks" und der Tumorrückbildungsgeschwindigkeit nach Brachytherapie.

Methoden: Bei 20 Patienten wurde die Tumorrückbildung der maximalen apikalen Tumorhöhe (MAH, in Prozent) innerhalb des ersten Jahres nach Brachytherapie berechnet und mit dem präoperativen ICG-angiographischen Vorliegen von "Networks" verglichen. 10 Patienten wurden mit Ru-106 und 10 Patienten wurden mit Id-125 bestrahlt.

Ergebnisse: Die präoperative mittlere MAH betrug 5,2 mm (Standardabweichung (SA): 1,54; Ru-106: 5,6 mm(SA:0,96); Id-125: 4,8 mm (SA:1,89)). Bei 11 (55%) Patienten (Ru-106: 5; Id-125: 6) wurden präoperativ "Networks" in der ICGA identifiziert. Der Mittelwert für die Rückbildung bei Tumoren, bei denen präoperativ Networks nachweisbar waren, war 51,3% (SA: 14,71%) und bei den übrigen Tumoren, bei denen keine "Networks" nachweisbar waren 28,02 % (SA: 16,4%). Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war statistisch signifikant (p=0,0036, Student t-Test). Es zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied der Rückbildungsgeschwindigkeit zwischen den Melanomen, die mit Ru bzw. Id bestrahlt worden waren (p=0,079, Student t-Test).

Diskussion: Rasch proliferierende Tumoren gelten im allgemeinen als strahlensensibler. Daraus erklärt sich auch die Beobachtung, daß Tumoren, die nach Brachytherapie eine schnellere Tumorrückbildung aufweisen, häufiger metastasieren. Auch "Networks" gelten als Zeichen eines agressiven, metastasierenden Tumors. Unsere Beobachtungen unterstreichen daher den hohen prognostischen Wert des Nachweises angiographischer "Networks" für die Abschätzung des Metastasierungsrisikos.

1Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München,

Mathildenstr. 8, D-80336 München,

2Shiley Eye Center, UCSD, 9415 Campus Point Dr. 0946, La Jolla Ca 92093-0946, USA



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